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Alte Stadt

Der Alte Markt und seine Umgebung sind die besuchenswertesten Stellen in Poznań. Das schöne Renaissance-Rathaus, die historischen Häuser, die reizenden Strassen, die zahlreichen Museen, Kneipen, Kaffeehäuser und die flanierenden Menschen machen das einmalige Flair dieses Ortes aus. Der Alte Markt ist das Herz von Poznań. Vom Frühling bis Herbst von Gartencafes umsäumt, lebt der Markt bis in späte Nachtstunden. Auf dem Markt finden auch viele Veranstaltungen, Aufführungen und Konzerte statt.

Zum Alten Markt sollte man die Wielka Strasse nehmen - hier befand sich einst das Haupttor, durch welches im Mittelalter die wichtigsten Gäste nach Poznań kamen. Sehenswert sind unterwegs, auf halbem Wege zum Markt, die mit rotem Kopfsteinpflaster gekennzeichneten Stellen - dort befand sich einst die städtische Wehrmauer von Poznań. Der Alte Markt wurde 1253 angelegt, als die Stadt auf der Basis des deutschen Städterechts gegründet wurde. Das Recht enthielt die Normen für den Aufbau einer idealen, mittelalterlichen Stadt. Der zentrale Platz in der Stadt hatte einen quadratischen Grundriss von 141 x 141m. Von jeder Seite gingen drei Strassen aus, an jeder Häuserwand wurden 8 Grundstücke gleicher Größe angelegt. Die ehemalige Anlage ist übrigens größtenteils an allen vier Seiten des Marktes erhalten, an jeder stehen bis heute je 8 Häuser.

 

Vor uns erhebt sich das schönste Renaissance-Rathaus nördlich der Alpen, das Werk von Giovanni Battista Quadro aus Lugano, aus der Mitte des 16. Jahrhunderts. Die monumentale Vorderfassade mit der dreigeschossigen Arkadenloggia schmückt eine hohe Attika mit drei Türmen. Früher haben in diesem Gebäude die Stadtväter residiert. Am repräsentativsten ist im Rathaus der Renaissance-Saal (die sog. Große Diele) mit dem berühmten Gewölbe von 1555. Heute beherbergt das Rathaus das Museum für Geschichte der Stadt Poznań. 1551 wurde am Rathausturm die Uhr mit den Böcken angebracht. Ihr Autor ist Bartholomäus Wolf aus Guben. Täglich um 12.00 Uhr mittags erscheinen an der Turmuhr zwei blecherne Böcke, die sich 12 Mal mit den Hörnern stoßen. Mit den Böcken ist eine alte Volkssage verbunden. Nachdem Bartholomäus Wolf die Uhr fertig hatte, wollte er sie den Ratsherren und dem Poznaner Woiwoden zeigen. Es sollte ein großes Festmahl stattfinden, aber der unachtsame Küchengehilfe hat den Rehrücken anbrennen lassen. Um sich aus der Patsche zu helfen, stahl er zwei Böcke und beschloss, sie auf dem Rost zu braten. Die sind jedoch vor Schreck auf den Rathausturm geflüchtet. Die Gäste, die zum Festmahl kamen, sahen, wie sich die Böcke auf dem Gesims des Rathausturms mit den Hörnern stoßen. Der Woiwode ordnete daraufhin an, dass die Uhr noch zusätzlich mit einem Mechanismus versehen wird, der die Böckchen in Bewegung setzt.

 

Vor dem Rathaus steht der Pranger mit der Skulptur eines Henkers mit dem Schwert in der hand, hier wurden einst die verhängten Strafen vollzogen. Neben dem Rathaus stehen bunte Häuser mit charakteristischen Säulengängen, wo einst Fische, Wachskerzen und Salz verkauft wurden.

 

 

Vom Rathaus orientieren wir uns nach links und laufen entlang der östlichen Häuserwand des Marktes. Wir gehen am Museum für Musikinstrumente vorbei, eines der wenigen in Europa, und kommen zum sog. "Haus unterm Dach" Nr. 50. Mit diesem Haus ist eine Erzählung vom Aufenthalt vom August dem Starken in Poznań verknüpft. Bei einem Gelage soll der Monarch aus dem Fenster auf dieses charakteristisches Dach gefallen sein, das ihm das Leben rettete. Die Tafel links am Eingang erinnert an den Wasserpegel bei der Hochwasserkatastrophe von 1736.

 

Auf dem Grundstück an der südöstlichen Ecke des Marktes steht das Górka-Palais aus der Mitte des 16. Jahrhunderts. Es war eines der schönsten Stadtpalais der Renaissance in der damaligen Republik Polen. Das luxuriöse Gebäude hatte u.a. einen Fischteich und einen Springbrunnen auf dem Dach. Während des Zweiten Weltkrieges ist das Palais völlig abgebrannt. Nach der durchgeführten Rekonstruktion bekam das Bauwerk die Form wieder, die es nach dem Umbau im 18. Jahrhundert hatte. Von der ehemaligen Ausstattung der Residenz ist das authentische, reich verzierte Renaissance-Portal in der Klasztorna Strasse erhalten, mit dem eingravierten Entstehungsdatum des Palais. Gegenwärtig befindet sich im Palais das Archäologische Museum, wo neben Exponaten zur Geschichte Großpolens reiche Kunstsammlungen ägyptischer und nubischer Werke untergebracht sind. An der Westwand des Museums befindet sich ein Stich nach Braun und Hogenberg aus dem 17. Jahrhundert mit der Darstellung Poznańs im Mittelalter. Es ist die älteste bekannte Darstellung der Stadt. Man sieht darauf deutlich die Dominsel, den Dom, die Stadtmauer mit den Toren und die heute nicht mehr existierende Stiftskirche St. Maria Magdalena mit dem 90 m hohen Kirchturm.

 

Wir gehen weiter auf die Świętosławska Strasse und kommen zu einer der imposantesten barocken Kirche in Polen - es ist die Pfarrkirche St. Stanislaus. Das imposante Innere ist im Stil des römischen Barock gehalten. Der Bau der Pfarrkirche der Jesuiten dauerte 50 Jahre. Das Innere der Kirche besticht mit seiner Größe und Reichtum. Autor des Portals im mittleren Teil der Fassade und des Hauptaltars war Pompeo Ferrari. In der Mitte des Gewölbes - an der Kreuzung des Langhauses und des Querschiffs - befindet sich eine Pseudokuppel mit dem illusionistischen Deckengemälde von Stanisław Wróblewski. Das Gewölbe sieht dank der angewandten Malertechnik wie eine halbkugelige Schale aus. Die fast unversehrte, 230 Tonnen wiegende Orgel ist das Werk von Friedrich Ladegast und stammt aus dem 19. Jahrhundert.

Wir gehen zurück zum Markt und laufen zu seiner westlichen Häuserwand. Unterwegs passieren wir das Denkmal von Johann Nepomuk, der die Stadt vor Hochwasser schützt. Am Auslauf der Franciszkańska Strasse steht das spätbarocke, 1773-1787 errichtete Działyński-Palais. Ins Innere führen zwei Tore, durch die einst die Pferdekuschen rein fuhren. Die klassizistische Fassade ist reich mit Steindekorationen verziert. Auf der Attika befinden sich Flachreliefs mit Darstellungen des Triumph- und des Opferzuges, in der Mitte steht ein Pelikan mit entfachten Flügeln - das Wahrzeichen der Opferbereitschaft. Schönster Raum im gesamten Palais ist der Rote Saal, wo viele wichtige Treffen abgehalten werden. Er hat einen über die ganze Fassade verlaufenden Balkon mit einer barocken Balustrade. Die Bezeichnung des Saales stammt von der roten Wandfarbe, die mit dem Weiß der Stuckdecke kontrastiert. Im 19. Jahrhundert war das Działyński-Palais Zentrum des polnischen Kulturlebens. Im Palais fanden Konzerte, Vorlesungen in polnischer Sprache und Ausstellungen statt.

 

 

 

Gegenüber dem Działyński-Palais steht die Stadtwache, die im 18. Jahrhundert gebaut wurde. Initiator und Stifter des Bauwerkes war Kazimierz Raczyński, der damalige Generalstarost von Großpolen. Gegenwärtig beherbergt die Stadtwache das Museum des Großpolnischen Aufstands 1918-1919. Neben der Stadtwache ist das Gebäude der ehemaligen Stadtwaage, die nach dem Krieg nach der ursprünglichen Vorlage von Giovanni Battista Quadro rekonstruiert wurde.

 

 

Von der Stadtwache gehen wir die Franciszkańska Strasse auf die kleine Anhöhe, den sog. Przemysł-Berg, wo sich die Reste des Königlichen Schlosses befinden. Es entstand in gleicher Zeit als Poznań gegründet wurde und war Sitz des Königs von Polen, Przemysł II., der 1296 von den Brandenburgern ermordet wurde. Zur Regierungszeit von Kazimierz III. Wielki war es das größte weltliche Bauwerk im ganzen Land. Während des 1959-1964 durchgeführten Umbaus wurde lediglich das ehemalige, von K. Raczyński erbaute Archivgebäude wiederaufgebaut. Gegenwärtig befindet sich hier das Museum für Angewandte Kunst. Gegenüber dem Schloss erhebt sich die spätbarocke Franziskanerkirche. Seit über 300 Jahren befindet sich dort das wundertätige Gemälde der Wunder vollbringenden Gottesmutter, der Herrin von Poznań. Wenn man die Ulica Ludgardy nach unten geht, sieht man die Reste der ehemaligen städtischen Wehrmauer. Auf der linken Seite, in den unterirdischen Gewölben der Kirche befinden sich zwei Stadtmodelle des ehemaligen Poznań, aus der Dynastie der Piasten (um 1000) und aus der Renaissance (ca. 16. Jh.).

 

Zum Markt zurück wählen wir die nach links abgehende Paderewskiego Strasse.

 

 

Poznań in Bocuse d'Or 2020

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